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Motorradtouren - Nikis Tipps!

Motorradtour nach Südnorwegen

Auf der Seite möchte ich immer eine Motorradtour quer durch einen Teil Europas beschreiben, die wir in den letzten Jahren auf unserem Motorrad gemacht haben.

Derzeit ist das eine Honda Pan European, ein angenehmer und robuster Tourer.

Anregungen für unsere Reisen holen wir uns regelmäßig aus diversen Motorradbüchern, bei der unten beschriebenen waren dies vor allem das Buch von Volker Wahmkow (Die schönsten Motorradtouren Norwegen – ISBN 978-3-7654-4592-7) und von Josef Seitz (Skandinavien – Edition unterwegs – ISBN 3-613-01628-1)

Die erste Reise hier im bloc war eine Fahrt in den Süden Norwegens mit einem Abstecher nach Westschweden, eigentlich ursprünglich dem Regen entfliehend, aber dann Natur pur.

Wie immer bei Reisen, die weiter wegführen, war der erste Tag – oder besser gesagt – die erste Nacht, eine Fahrt mit dem Autoreisezug von Wien nach Hamburg.

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Wir bevorzugen diese Art zu Reisen sehr, gibt es doch die Möglichkeit – wenn rechtzeitig gebucht – relativ günstig, ökologisch sinnvoll ein gutes Stück zu einem weiten Ausgangspunkt zu kommen.

Von Hamburg fahren wir dann mit dem Motorrad los, queren Dänemark bis Hirthals.

Und von dort mit der Fähre nach Larvik.

23 Stunden nach unser Abreise aus Wien besetzen wir unsere erste Hytta auf einem Campingplatz südlich von Larvik.

Am nächsten Tag führt uns das Motorrad nach Skien – als Schifahrer war es mir immer schon ein Ziel den Ursprung meines Lieblingssportes zu besuchen. Nach einer wundervollen Fahrt im Telemark geht es endlang des Skagerrak nach Kristiansand, eine der städtebaulich interessantesten Städte Norwegens, da die Innenstadt – auch Kvatraturen bezeichnet – aus lauter rechtwinkeligen Strassen besteht.

Spät abends dann am Gegenpol zum Nordkap, dem südlichsten Punkt Norwegens, Kap Lindesnes, einer der ersten Leuchtfeuer der Seefahrt Norwegens stand hier.

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Leider ist der Campingplatz voll, aber dafür werden wir großartig entschädigt – mit einem Appartement direkt am Meer. Wir müssen feststellen, dass auch hier schon Quallen leben, offensichtlich das Meer sehr verschmutzt ist.

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Über die sogenannte Nordseestrasse fahren wir durch eine teilweise fast unwirkliche Steinlandschaft nach Stavanger, Kulturhauptstadt 2008. Hier begann 1969 der norwegische Ölrausch, als riesige Vorkommen entdeckt wurden. Das veränderte die Stadt wesentlich, heute sind hier alle Ölgesellschaften vor Ort und der Flughafen dient als Drehscheibe und Versorgungsstandort für die Ölplattformen in der Nordsee. Übrigens: erst 2005 wurde in Stavanger die Universität, heute mit knapp unter 10.000 Studierenden, gegründet.

Bei strömenden Regen weiter gen Norden, den bekanntesten Berg Südnorwegens, den Preikestolen, einen 600 m hohen Granitberg mit senkrechten Wänden in das Meer und einer ebenen Gipfelfläche konnten wir auf der Strecke leider nicht mal sehen.

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Über Pässe, zum Teil mit Schnee bedeckt, fahren wir – endlich hört es auf zu regnen – entlang des Sorfejord und hunderten vollen Kirschbäumen bis Kinsarvik, wo wir an einem stahlenden Abend unsere Sachen am Campingplatz trocknen können, während wir uns mit süßen Kirschen den Bauch vollschlagen.

Durch zahlreiche Tunnel, zum Teil in Windungen den Berg nach oben, fahren wir zu wunderschönen und eindrucksvollen Wasserfällen, die heute zum Teil für die Stromerzeugung genutzt werden. Danach rollen wir durch einen nebelverhangenen Schleier bei strömenden Regen die Hochebene erahnend nach Osten.

Nach Geilo – einem der Skizentren von Norwegen und dementsprechend mondän, weiter über die Berge in den bekannten Fremdenverkehrsort ob seiner wunderbaren Umgebung: Flam.

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Hier startet die Flambahn, eine der berühmtesten Eisenbahnstrecken der Welt. Mit zahlreichen Wendetunneln schraubt sich die Strecke von Flam auf 20 km 864 Höhenmeter hinauf und ist damit eine der steilsten Bergstrecken auf Normalspur.

Zirka eine halbe Million TouristInnen wollen diese wundervolle Fahrt ab dem Ufer des Aurlandfjords alljährlich durchführen. Dementsprechend ist Flam heute leider vor allem nur mehr Bahnhof und Hafen mit großen Kreuzfahrtschiffen.

Uns zieht es weiter – vorbei wieder an traumhaft schönen Wasserfällen – nach Bergen, der zweigrößten Stadt des Landes und dazu die Regenreichste Europas. 250 Tage im Jahr Niederschlag muss erst überboten werden.

Doch wir haben Glück, erleben Bergen bei strahlend blauen Himmel und fast 30°C. Fisch und Scampi direkt vom Markt, und bummeln entlang des UNESCO-Weltkulturerbes, die Bryggen, einer Häuserzeile aus dem 14. Jahrhundert, in Edvard Grieg Geburtsstadt herum.

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Viel zu bald ist der Tag um, zieht es uns weiter gen Norden, abwechselnd Fähren nutzend, die uns über zahlreiche Fjorde zum Beginn des Sognefjord, dem mit 204 km längsten, und mehr als 1300 m tiefsten Fjord Norwegens, bringen.

Dabei durften wir im Land der Tunnel, Wasserfällen und Fjorde auch erstmals unter (!) einem Fjordseitenarm durchfahren – ein besonders Erlebnis!

Abends fahren wir gemütlich kleine Strassen zum Westkap – Norwegens westlichster Punkt am Festland. Wunderschöner Blick über die Nordsee bei spätem Sonnenuntergang.

Nach einer Nacht als einziges Zelt auf dem gesamten Campingplatz geht es durch das wunderbare und wohlduftende Valltal. Jetzt – Mitte Juli – sind die Erdbeeren hier im Norden reif und das ganze Tal riecht intensiv. Gleich stehengeblieben und den süßen Traum gegessen. War ganz einfach viel zu verführerisch.

Nächster Zwischenstopp: Geirangerfjord. Der wohl bekannteste und vermutlich fotogenste aller Fjorde in Norwegen. Auch hier wieder TouristInnenströme – auch so eine Eigenheit Norwegens:

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Punktuell Massen, aber sehr sehr oft die Möglichkeit alleine und einsam Gegend zu erleben und zu erobern. Vom Geirangerfjord weiter zu den Trollstig – Norwegens steilste Strasse mit 11 Kehren und 850m Höhenunterschied. Glück des Tüchtigen: Diese beiden Sehenwürdigkeiten erleben wir bei strahlendem Sonnenschein, der sich leider bald wieder verdunkelt, und kommen bei Regen nach Alesund. Wieder eine von Norwegens besondere Städte: Die auf drei Inseln gelegene Innenstadt von Alesund wurde nach einem Brand 1904 komplett im Jugenstil wieder aufgebaut.

Kaum angekommen wird uns erzählt, wie toll das Wetter bis dato war, und erst jetzt der Regen hier begonnen hat. Konnte der nicht einen Tag später beginnen? Wir sind zwei Tage nun hier stationiert, es regnet Schusterbuben und unsere Route führt uns danach den Atlantik endlang zu Norwegens Jahrhundertbauwerk: Die 8 langen Atalanterhavsvegen – die Brücken der Atlantikküstenstrasse, oft windbeutelndes Abenteuer, heute (leider) nass.

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Wieder ein paar Fähren nehmend, zieht es uns Kristiansund passierend die zerklüftete Küste entlangfahrend gen Norden.

In Trondheim besichtigen wir den alte Krönungskirche. Die 1010 Jahre alte Stadt war lange Norwegens Hauptstadt. Wir genießen die Stadt, vielleicht weil es auch mal nicht regnet und beschließen dem Wetter zu entfliehen, weg von der Küste und Richtung Osten nach Are, erst vor kurzem Austragungsort von Schiweltmeisterschaften.

Ohne es zu Ahnen kommen wir in den kommenden Tagen in eine wunderbare und naturgeschützte Landschaft, Schwedens höchstgelegenste Gebiete, wo sich im wahrsten Sinne des Wortes Fuchs und Bär – hier lebt Schwedens größte Bärenpopulation – noch „gute Nacht“ sagen und der Elch zuhört.

Kaum Autoverkehr, schmale Strassen, die uns immer wieder mit Rentieren nach Kurven überrascht, und das bei schönem Wetter! Wir sind entzückt!

Entlang des Storsjon suchen wir Schwedens Nessi, dass sich hier verstecken soll, und freuen uns die alte schwedische Tradition – auf Campingplätze gibt es immer Minigolfanlagen – auch hier zu finden. Rasch ist die Bahn gekehrt und wir können spielen.

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Doch wir müssen wieder zurück nach Norwegen, Lillehammer, die Olympiastadt ist noch im Programm. Das Wetter hat sich erfangen, und wir besichtigen die Anlagen und fahren entlang des grössten Binnensees Norwegens auf der Hauptverkehrsroute gen Oslo. Schrecklich, furchtbar. Ich glaub zeitweise auf der 17ern in den 1970er gen Kärnten zu fahren. Eine endlose Kolonne, andauernder Gegenverkehr, und strengste Polizeiüberwachung durch Radar. In Norwegen gilt 80km/h auf der Landstrasse und 110 km/h auf den ganz kurzen Stücken Autobahn, die das Land hat. Und keiner traut sich viel schneller zu fahren. Die Strafen sind saftig. Wir bekommen von italienischen Motorradfahrern erzählt, dass sie genau auf dieser Strasse im fließenden Verkehr herausgewunken wurden und für 86km/h 3.000 norweg. Kronen Strafe erhielten. Für 6 km/h also 350 Euro ist nicht schwach. Und trotzdem fuhr die ganze Kolonne diese Geschwindigkeit und die drei Italiener hatten halt Pech.

Nahe des Osloer Flughafens finden wir wieder einen netten Campingplatz, besuchen Norwegens Hauptstadt und wollen noch ein klein wenig Oslos Künstler … im park huldigen, sowie natürlich auf den Holmenkollen fahren. Imposant, wie von hier der Ausblick über den gesamten Oslofjord ist, und wir erleben wieder einmal, wie der Regen beginnt gegen unsere Goretex-Kleidung zu prasseln.

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So, das war der erste Bericht, vielleicht noch ein paar andere Dinge zur Reise:

Norwegen ist auch im Sommer immer wieder sehr nass, und wir konnten der Tradition Hyttas, einfachen Holzhütten, meist für vier Personen, oftmals mit Kochgelegenheit, zum übernachten zu mieten, sehr viel abgewinnen.

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Und: Norwegen ist nicht nur sehr weit und sehr groß – die Distanzen sind nicht zu unterschätzen, wir fuhren auf unserer Reise mehr als 5.000 km – sondern auch sehr teuer. Selbst die NorwegerInnen jammern ob der Preise, auch wenn das Einkommensniveau um einiges höher als in Mitteleuropa ist, und es viele soziale Selbstverständlichkeiten in Skandinavien insgesamt hat.