Eigentlich war ich nahe dran mal wieder ein paar zeilen zu der derzeitigen situation zu schreiben, die dazu fuehrt, dass menschen ohne viel ueberlegung in schubhaft kommen.
Aber wieder nur fekter vorwerfen, was da alles dank der aus ihrem ministerium entworfenen gesetze passiert? Es wurde zwar meiner meinung nach strimmen, aber so einfach ist es halt auch nicht. Auch andere haben verantwortung – wer den neuen ute-bockfilm sich angeschaut hat, weiss wo von ich spreche. Karl markovic – der beruehmte oscar-gewinner – verkoerpert da sehr gut eine figur dazu.
Der november hat ja schon letzte woche intensive neue erfahrungen gebracht. Statt – wie alljaehrlich – gerne und sehr bewusst – bei den verschiedenen gedenkveranstaltungen des november-progroms 1938 zu sein, war ich diesmal an der israelisch-syrisch-libanesischen grenze – auf auslandsvisit der parlamentarischen bundesheer-kommission beim oesterreichischen kontigent der blauhelme am golan. Bei einem kleinen “test” – was denn fuer ein tag waere, hat mit ausnahme einer person niemand mit dem 9. november etwas verbinden koennen – aber wirklich gewundert hat mich das nicht – ist leider in oestereich selbst auch nicht viel anders, vermute ich.
Begonnen hat die woche ja mit einem grossen schrecken: Ich bekam ein schreiben des landesgerichts wien: Am 6. dezember – zu meinem namenstag! – bin ich am landesgericht fuer strafsachen als angeklagter geladen:
Wegen strafgesetzbuch § 111 (uebler nachrede) und diversen mediengesetzuebertretungen. Und dafuer ist dieser bloc schuld! Ich habe im vergangenen jahr am 24. september berichtet, dass die bundespolizeidirektion wien eine weisung zu meines erachtens “ethnic profiling” gemacht hat, und stadtrat david ellensohn eine sachverhaltsdarstellung an die staaatsanwaltschaft geschickt hat. Nicht nur david ellensohn – und ich – waren dieser meinung – sondern auch im jahresbericht von amnesty international 2009, in bericht des menschenrechtsbeirats des bundesministeriums fuer inneres 2009, andere medien, praktisch alle haben dies so empfunden, nur nicht die staatsanwaltschaft konnte feststellen, dass dies ein amtsmissbrauch eines leitenden beamten war, diese weisung zu geben. Anfang august dieses jahres – fast ein jahr spaeter also – hat die staatsanwaltschaft diese anzeige zurueckgelegt, und wenige tage darauf hat mich der beamte – siehe oben – angezeigt.
Also, wirklich lustig ist das alles nicht, und ich bin sehr gespannt, ob meine argumente reichen, warum ich so wuetend war und bin, dass es nun so einfach wird, so zu verfolgen. Und warum ich als jemand, der regelmaessig sich mit der vergangenheitspolitik beschaeftigt, als sympatisant des personenkomitees der opfer der ns-wehrmachtsjustiz, als mitglied des mauthausenkomitees und als mitglied des vereins namensmauer so rasch an andere zeiten erinnert fuehlt.
Am dienstag ging es fuer drei tage ab auf den golan. Das heisst, eigentlich geht es da mehr nach damaskus, mit taeglich einer einstuendige busfahrt bei hoellenverkehr – die fahrerInnen muessen da echt gelobt werden, wie sie in diesem strudel der freien interpraetation der strassenverkehrsregeln sich durchschlaengeln – zum camp der uno-soldaten im suedwesten syriens am fusse des golans.

Am höchsten Punkt des Golans (2814m)

Im Gespräch mit Unteroffizieren
Aber wir wollen als kommission auch mit den soldatInnen vor ort sprechen. Die UNO hat drei fixe – oder in wahrheit vier mit der position 12 – das ganze jahr ueber besetzte kontroll- und beobachtungsstellen am golan. Die hoechste – auf 2.814 m am gipfel des mount hermon – dauernd besetzte beobachtungsstelle der un weltweit (!) war heuer anfang november noch relativ gemuetlich, wie am bild links oben zu sehen, zu besuchen. Bald wird es dort wieder winden und schneien und die leute werden einige wochen quasi von der aussenwelt abgeschlossen dort leben.
Wie anstrengend diese tage immer sind, zeigt sich bei der rueckkehr nach oesterreich. Es sind nicht nur die klimatischen deutlich anderen unmitztelbaren bedingungen, sondern auch die vielen vielen kilometer (so waren es am mittwoch mehr als 200 km in gelaendefahrzeugen) auf teilweise unbefestigen strassen und die doch auch sehr konzentrierten gespraeche mit den soldatInnen. Dazu kommt wenig schlaf, und ueberraschend viel essen. Also, beim vierstuendigen flug nach oesterreich zurueck schlafen dann fasst alle delegationsmitglieder
)
Nach meiner rueckkehr freitag abend hatte ich nur mehr sehr kurze vorbereitungszeit fuer meine praesentation als kandidat zum ersatzmitglied des bundesrats. Noch am abend vor meiner abreise nach syrien haben wir im landesvorstand lange darueber diskutiert, wer nun nach statut und unter welchen bedingungen kandidieren kann. Denn das wiener statut sagt ganz klar, wenn paritaet im wiener gemeinderat herrscht, kann nur eine frau fuer die funktion des bundesrats kandidieren. Mir ist es gelungen andere mitbewerber zu ueberzeugen, dass wir freiwillig auf eine bundesratskandidatur verzichten, aber gerne als ersatz kandidieren wuerden. Dies wurde schlussendlich auch so vereinbart.
Und am sonntag, bei der sehr eindrucksvollen landesversammlung, bei der als erster tagesordnungspunkt das in dieser woche verhandelte koalitionsabkommen mit der spoe wien behandelt wurde, konnte dieser streitpunkt ausser frage gestellt werden. Was nicht gelang war, ob dann der ersatzkandidat/die resatzkandidatin offen gewaehlt werden kann. Eine entscheidungsabstimmung viel fuer die offene variante schlussendlich aus.

Wiener Landesversammlung am 14. November 2010
Ja, ich erwaehne das koalitionsabkommen nur mit einem nebensatz, weil es vermutlich in den naechsten wochen, monaten und jahren eine wensetliche rolle spielen wird, und ueber das zustandekommen und die vorgangsweise stillschweigen vereinbart wurde. Aber ich weiss ja eh nichts.
Neue bundesraetin wurde jennifer kickert, derzeit die erste, die nicht in den gemeinderat gekommen ist, sie hat die unglueckliche 13 - nach der listenwahl vor einem jahr – gehabt. Und leider sind nach der wahl 101010 nur mehr 11 mandate erreicht worden. Das 12 mandat nimmt unsere neue vizebuergermeisterin maria vassilakou ein.
Zum ersatzmitglied wurde denkbar knapp (51 zu 49%) marco schreuder gewaehlt. Er war bis dato gemeinderat, und ist einer der sprecher der gruenen andersrum. Also – erstmals wurde eine bekennende lesbe bundesraetin und ihr ersatz ein bekennender schwuler. Wichtig und gut, dass die laut fra meist diskriminierte gruppe von menschen nun diese funktion bei den gruenen einnimmt. Gegen diese beiden hatte ich keine chance, obwohl ic hehrlich davon ueberzeugt bin, nach sechs jaehirger taetigkeit im parlamentsklub und sechsjaehriger taetigkeit im wiener rathausklub von beiden seiten eine ahnnug zu haben. Aber leider, nichts gewordden daraus, das jahr 2010 hat mit mir nicht viel gnade.
Abschliessend gab es dann gestern auch noch ein schoenes erlebnis. Sonntag wurde abends ein junger nigerianer in schubhaft gebracht. Nach zahlreichen protesten der zivilgesellschaft, herumtelefonieren, einwirken und oeffentlich machen gelang es der zivilgesellschaft gemeinsam mit den gruenen den gestern 24 jahre alt gewordenen htl-schueler aus der schubhaft zu bekommen. Ein sehr schoener moment, ein seltener dazu, aber umso erfreulicher. Und das schoenste lob darueber konnte ich auf facebook lesen: Ein kommentator fand es bemerkenswert, dass maria vassilakou vor ort war, obwohl keine wahlen sind. Ja, den gruenen geht es eben nicht nur um wahlen, sondern um die leute – ehrlich.
niki